Stöhnen Sie manchmal unter der Last der Aufgaben? Darüber, dass Sie kaum Zeit haben für die Dinge, die Sie eigentlich schon immer mal machen wollten, aber nie dazu kommen? Dann probieren Sie einmal folgendes:

Erstellen Sie eine Liste derjenigen Dinge oder Tätigkeiten, die Ihnen wirklich wichtig sind, die Ihnen am Herzen liegen. Dann schreiben Sie auf ein anderes Blatt, womit Sie Ihre Zeit tatsächlich verbringen.

Nun vergleichen Sie beide Listen. Möglicherweise werden Sie dabei ein krasses Missverhältnis feststellen. Könnte es sein, dass die Zeitliste die „wahre“ Liste ist? Und wenn Sie jetzt die Entschuldigung parat haben, das sei so, weil das von Ihnen erwartet wird: Fragen Sie sich mal, warum Sie diesen Erwartungen entsprechen wollen, und ob das auch in Zukunft so bleiben soll. Wenn ja, stehen Sie dazu und hören auf, über fehlende Zeit zu klagen.

(Nur so als Idee: Wir wäre es für Sie, das, was Sie tun müssen, mit mehr Freude zu tun und darüber hinaus mehr von dem zu tun, was Sie wirklich gern tun möchten?)

 

Achtsamkeit ist die völlige Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick. Wenn Sie jetzt glauben, das nicht zu können, lade ich Sie zu einem weiteren Experiment ein:

Nehmen Sie einen handlichen Gegenstand, zb. B. ein Stück Obst (ein rohes Ei macht es noch wirkungsvoller ;-)) oder Ihren Schlüsselbund und werfen Sie ihn in die Luft. Bleiben Sie entspannt und locker, und fangen Sie ihn wieder auf.

Jetzt rufen Sie sich den Augenblick in Erinnerung, als Ihr Gegenstand in der Luft schwebte. An was haben Sie in dem Moment gedacht? An Ihr Frühstück? An die Arbeit, die noch vor Ihnen liegt? An das, was Sie gestern getan haben? Oder haben Sie in dem Moment vielmehr an nichts gedacht, sondern waren mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit bei dem Gegenstand? Vielleicht gingen Ihnen vorher irgendwelche Gedanken durch den Kopf, bevor Sie den Gegenstand in die Luft warfen, oder nachdem Sie ihn gefangen hatten. Doch während des Wurfs waren Sie nichts als reine Aufmerksamkeit! Sie hielten Ihre Arme bereit und warteten darauf, dass der Gegenstand wieder herunterfiel. Sie waren völlig offen und präsent, und Ihr Körper war wach und voller Energie. Ist das nicht ein äußerst angenehmes Gefühl?

Wollen Sie mehr davon? Am liebsten immer?

 

Betrachten Sie Ihren linken Daumennagel für die Dauer von zwei Minuten; wenn Ihre Aufmerksamkeit abschweift, dann holen Sie sie ganz einfach wieder zurück und machen weiter.

Wesentlich ist, dass Sie sich nicht dazu zwingen, sich auf etwas zu konzentrieren – es geht um sanfte, entspannte Aufmerksamkeit. Gedanken und Gefühle, die Ihre Aufmerksamkeit ablenken, werden nicht unterdrückt oder ausgeblendet, sondern einfach wahrgenommen; sie versuchen auch nicht, sie loszuwerden. Lassen Sie Ihre Aufmerksamkeit mühelos wieder zu Ihrem Daumennagel zurückwandern.

Wiederholen Sie dies mit Ihrem rechten Daumennagel, dem Sekundenzeiger Ihrer Uhr und mit weiteren Objekten.

Und nun: nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, wo Sie nichts anderes tun, außer einfach irgendetwas wahrnehmen. Wie würden Sie es bezeichnen? Und wie ist es, wenn Sie das Objekt einfach nur wahrnehmen, ohne es mit irgendetwas zu bezeichnen?

Dann: fahren Sie fort mit dem achtsamen Wahrnehmen Ihrer Umgebung und beobachten weiter, was es dort alles gibt:

  • Was können Sie dort alles an Farben und Formen bemerken?
  • Was gibt es dort alles an geraden Linien und gekrümmten Linien?
  • Welchen Raum nehmen die Dinge ein?
  • Und: können Sie auch den Raum zwischen den Dingen wahrnehmen?
  • Wie fühlt es sich an, die Dinge zu sein?

 

Genießen Sie die Übungen und machen Sie sie, so oft Sie nur möchten.

 

Ein Tipp für den Alltag:

Schaffen Sie sich Erinnerungshilfen, um für einen Augenblick innezuhalten und achtsam zu sein, z. B. bestimmte Geräusche wie das klingelnde Telefon oder ein hupendes Auto oder das Läuten von Glocken. Seien Sie kreativ.

Seien Sie bei allem, was Sie tun, achtsam und bewusst – so wird der Alltag zu Ihrer Übung in der Gestaltung eines entspannten und bewussten Lebens.

 

Achtsamkeit ist die Quelle von Lebensfreude und innerer Kraft

Hier ein zweiteiliges Experiment, um den Unterschied festzustellen:

  • Gehen Sie fünf Minuten lang durch einen Raum (oder in der freien Natur). Lassen Sie dabei Ihren Blick ins Leere gehen und lassen Sie zu, dass Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit davongleiten. Wenn Ihnen dies nicht gelingt, dann bleiben Sie stehen und starren ins Leere. Beobachten Sie die Reaktion in Ihrer Stimmung und in Ihrem Gefühl, die Sie damit auslösen.

 

  • Danach gehen Sie fünf Minuten lang durch den Raum (oder in der freien Natur) und sehen Sie abei alles, was Sie sehen, intensiv an. Seien Sie, so mühelos, wie es Ihnen möglich ist, mit Ihrer vollen Aufmerksamkeit bei dem, was Sie gerade anschauen – jedes Detail, jede Kante, jeder Umriß, jede kleine Unebenheit. Sehen Sie dabei möglichst „wach“ in die Welt. Beobachten Sie erneut Ihre Reaktionen in der Stimmung und im Gefühl, die Sie damit auslösen.

 

Haben Sie Unterschiede zwischen den beiden Teilen des Experimentes feststellen können, und wenn ja, welche?

Welche Auswirkungen könnte es wohl auf die Qualität Ihres Lebens haben, den Dingen bzw. anderen Menschen und dem Leben an sich mehr Aufmerksamkeit zu schenken?

 

Schauen Sie sich um und finden Sie ein neutrales Objekt: eine Kaffeetasse, ein Bild oder eine Pflanze. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf dieses Objekt. Versuchen Sie nichts weiter, als dieses Objekts bewusst wahrzunehmen. Achten Sie nun darauf, wie lange es dauert, bis Ihr Bewusstsein abschweift und Sie an etwas anderes denken. Sobald Ihnen auffällt, dass Ihre Gedanken „woanders“ sind, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder zurück auf das gewählte Objekt.

Wiederholen Sie dies einige Male, bis Sie ein Gefühl für die Angewohnheit Ihres Geistes bekommen, in die Vergangenheit oder in die Zukunft abzudriften. In diesem Zustand leben wir die meiste Zeit unseres Lebens. Statt in der Gegenwart zu leben, erledigen wir die meisten Dinge gewohnheitsmäßig, in einer alltäglichen und erschöpfenden Routine. Wir stehen morgens auf, duschen und ziehen uns an. Wir denken darüber nicht viel nach, sondern tun es einfach. Der Rest des Tages vergeht in etwa der gleichen Weise.

Das Ergebnis ist ein gewisser Grauschleier über dem ganzen Leben; das Leben wird nicht wirklich gelebt, sondern wir machen es irgendwie mit, und in diffusen Träumen erinnern wir uns an das, was geschehen ist. Erst wenn etwas unvorhergesehens und außergewöhnliches in unser Leben tritt, wachen wir auf.

Achtsamkeit ist eine Qualität des Lebens, die entschlossene Wachheit lehrt. Das bedeutet, dass Sie sich sowohl eines jeden Augenblicks als auch Ihrer Handlungen in jedem Augenblick bewusst sind. Sie leben achtsam, wenn Sie jeden Augenblick vollständig erleben; im Gegensatz dazu erlaubt Ihnen „Unachtsamkeit“, sich von beliebig aufsteigenden Gedanken, Wünschen und Bedürfnissen ablenken zu lassen oder sich an diesen festzuhalten.

Ich möchte Sie zu einem kleinen Test einladen – anhand Ihrer Antworten können Sie ein Gefühl dafür bekommen, wie sehr Sie zu Achtsamkeit in Ihrem Leben neigen:

1. Leiden Sie an der „Geschwindigkeitskrankheit“?

o Ja oder o Nein

2. Messen Sie Ihr Glück an zukünftigen Gewinnen und Ereignissen?

o Ja oder o Nein

3. Vergleichen Sie die Gegenwart ständig mit der Vergangenheit?

o Ja oder o Nein

4. Versuchen Sie für gewöhnlich, Schmerz zu leugnen oder zu verdrängen?

o Ja oder o Nein

5. Gibt es in Ihrem Leben unerledigte Angelegenheiten?

o Ja oder o Nein

6. Sind Sie häufig von Routinearbeiten und dem normalen Alltagsleben gelangweilt?

o Ja oder o Nein

7. Beschäftigen Sie sich mit Hoffnungen auf die Zukunft?

o Ja oder o Nein

8. Leben Sie Ihr Leben automatisch, Tag für Tag im immergleichen Trott, ohne an Alternativen zu denken?

o Ja oder o Nein

9. Scheint Ihr Leben von alten Mustern gelenkt zu werden oder von Verhalttensweisen aus der Vergangenheit?

o Ja oder o Nein

Wie sind Sie mit Ihren Antworten zufrieden?
Wenn Sie einen Großteil der Fragen mit Ja beantwortet haben, leben Sie möglicherweise nicht ganz so achtsam, wie Sie es könnte. Wenn Sie sich Ihrer Blockaden und Hindernisse bewusst sind, gibt Ihnen das die Freiheit, diesen Augenblick zu genießen.

(Der Test ist dem Buch: Achtsamkeit – leben im Augenblick, von Jerry Braza entnommen.)

Achtsamkeit bedeutet, das Bewusstsein für die gegenwärtige Wirklichkeit empfänglich zu halten. Sie istdas Wunder, durch das wir uns überwinden und erneuern. Thich Nhat Hanh

In unserem Alltag ist Achtsamkeit keine Selbstverständlichkeit. Für manche Menschen mag allein schon der Begriff befremdlich klingen, erinnert er doch an Meditation oder andere Praktiken, die unserem Kulturkreis eher fremd sind. Dabei gab es in unserem Leben eine Zeit, in der dieser Zustand erhöhter Wachheit und Präsenz völlig normal war. Betrachen Sie kleine Kinder beim Spielen, und Sie wissen, was ich meine. Und dann haben wir es irgendwann verlernt. In unserer Gesellschaft ist man meist viel zu sehr mit Vergangenheit und Zukunft beschäftigt als mit der Gegenwart.

Am Ende ihres Lebens erinnern sich die meisten Menschen am besten an Augenblicke. Geschäfte, Arbeit, Termine, Rechnungen, Rang und Besitz zählen am Ende des Lebens wenig bis nichts im Vergleich zu besonderen Augenblicken mit geliebten Menschen. Was im Leben wirklich zählt, sind Augenblicke – und wenn man achtsam hinschaut, wird man bemerken,dass jeder Augenblick völlig einzigartig ist. Die Augenblicke seines Lebens so zu leben, als seien sie einzigartig, kann schon genug Motivation für Achtsamkeit sein. Daneben bietet Achtsamkeit abern noch mehr Vorteile, nämlich:

• Reduzierung von Stress

• Leistungsfähigkeit

• Verbesserte Beziehungen

• Lebensfreude

• Frieden